Pflichten und Vorgehensweise bei einer Wiedereingliederung

17.04.2019

Leider gibt es in unseren Kollegien immer wieder Lehrkräfte, die durch physische oder psychische Erkrankungen länger ausfallen. Der Weg zurück in die Schule, um den Unterricht in vollem Umfang wiederaufzunehmen, fällt ihnen oftmals schwer.

Deshalb gibt es das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM), das aber manchen Schulleitern noch nicht hinreichend bekannt ist und deshalb in der Praxis oft noch wenig genutzt wird. In diesem Beitrag lesen Sie, wie Sie die Vorteile dieses Verfahrens für Ihre Schule nutzen.

Nicht jedem Schulleiter ist bekannt, dass das BEM bereits
seit 2004 vorgeschrie­ben ist. Setzen Sie dieses Verfahren vor allem im Rahmen
Ihrer Fürsorgepflicht ein, denn es geht Ihnen ja um die Ge­sundheit Ihrer
Lehrer. In Anbetracht dessen möchte ich Ihnen einige wichti­ge Tipps zum
Verfahren geben.

Sinn und Zweck eines
BEM

Der Sinn und Zweck des BEM ist es, längere Erkrankungen
Ihres Mitarbei­ters zukünftig zu vermeiden und bei ei­ner akuten
längerfristigen Erkrankung mit entsprechenden Maßnahmen die Lehrkraft wieder in
den Arbeitsalltag einzugliedern, damit ihr Arbeitsplatz an der Schule erhalten
bleibt.

Tipps zum
BEM-Verfahren

Vor Ort sind Sie als Schulleiter ver­pflichtet, das
BEM-Verfahren mit der betroffenen Lehrkraft durchzuführen. Wie Sie das
bewerkstelligen, zeigen die folgenden Tipps:

Tipp 1: Fragen Sie
nach, wie Sie helfen können.

Im BEM-Verfahren sind Sie die han­delnde Person, da die
betroffene Lehr­kraft an Ihrer Schule beschäftigt ist. Beim BEM-Verfahren geht
es um die konkrete Wiedereingliederung Ihrer Lehrkraft an den Arbeitsplatz, in
den Unterrichtsablauf und den Schulalltag. Sie müssen gemeinsam mit der Lehr­kraft
ein bestimmtes Verfahren verabre­den. Beispielfragen hierzu sind:

  • An wie vielen Tagen kann die Lehr­kraft anwesend
    sein?
  • Sind Aufsichten möglich?
  • Welche Wege können zurückgelegt werden?
  • Wie viele Unterrichtsstunden sind pro Tag
    möglich?
  • Ist eine eigene Klassenleitung mög­lich?
  • Nach wie vielen Unterrichtsstunden ist eine
    Pause notwendig?

Tipp 2: Wann muss ein
BEM erfolgen?

Der Arbeitgeber, also die personalfüh­rende Dienststelle,
ist in der gesetzli­chen Verpflichtung, der betroffenen Lehrkraft ein
BEM-Verfahren anzubie­ten. Das ist immer dann der Fall, wenn Ihre Lehrkraft

  • wenigstens 6 Wochen ohne eine Un­terbrechung
    arbeitsunfähig und
  • bezogen auf 12 Monate insgesamt länger als 6
    Wochen arbeitsunfähig war.

Tipp 3: Ihre
Lehrkraft muss zustim­men

Die Teilnahme an einem BEM-Verfah­ren ist freiwillig. Sie
müssen das BEM der Lehrkraft anbieten, aber die Durch­führung bedarf ihrer
ausdrücklichen Zustimmung. Wenn die Lehrkraft nicht zustimmt, dürfen ihr
dadurch keine Nachteile entstehen. Dies müssen Sie deutlich zum Ausdruck
bringen.

Fazit: Mithilfe des BEM-Verfahrens unterstützen Sie Kollegen
nach einer Erkrankung, Schritt für Schritt ihren Dienst an Ihrer Schule
wiederaufzu­nehmen. Nutzen Sie die Vorteile dieses Verfahrens.

Muster-Anschreiben zu
einem BEM-Verfahren:

Sehr geehrter Herr Mühlen,

nachdem Sie aus Krankheitsgründen längere Zeit nicht zum
Dienst erscheinen konnten, hoffe ich, dass es Ihnen besser geht und Sie bald
wieder an unsere Schule zurückkehren können. Das gesamte Kollegium freut sich,
wenn Sie wieder da sind.

Die personalführende Dienststelle hat mich gebeten, mit
Ihnen zu klären, ob Sie damit einverstanden sind, hier an der Schule ein
Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM-Verfahren) durchzuführen. Wie Sie
wissen, ist die Teilnahme freiwillig. Wenn Sie Interesse haben, schlage ich
Ihnen vor, dass Sie am Donnerstag, den ___________ zu mir ins Büro kommen,
damit wir das weitere Vorgehen besprechen können.

Wie Sie sicher wissen, dient das BEM-Verfahren dazu, Ihre
Eingliederung zu erleichtern und zukünftige Erkrankungen und längere Fehlzeiten
zu vermeiden. Ich möchte mit Ihnen ab­stimmen, wie auf lange Sicht Ihre
Arbeitsfähigkeit für unsere Schule erhalten bleiben kann und Sie damit auch
noch lange hier tätig sein können.

Das Verfahren können wir in dem Gespräch gemeinsam
abstimmen. Gern können Sie auch, wenn Sie möchten, einen Vertreter des
Personalrats hinzuziehen und – für den Fall, dass bei Ihnen eine
Schwerbehinderung vorliegen sollte – auch die Schwerbehindertenvertretung.

Bitte teilen Sie mir mit, ob der Termin bei Ihnen möglich
ist. Sollte dieser nicht machbar sein, bitte ich um Benennung eines
Ausweichtermins.

Weiterhin vor allem gute Besserung.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Rauch Schulleiter


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