4 Tipps im Umgang mit Schülern mit Tourette-Syndrom

03.11.2016

Das Gilles-de-la-Tourette- oder – kurz – Tourette-Syndrom (TS) ist eine neurologische Erkrankung. Als Lehrkraft können Sie einen Schüler mit TS nicht durch Ermahnung oder Strafen dazu bringen, mit den plötzlichen Geräuschen oder Bewegungen aufzuhören. Denn das Kind tut dies nicht mit Absicht. Tics sind unwillkürliche Kontraktionen der Muskeln, die in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen auftreten können. Unter bestimmten Voraussetzungen können viele Schüler mit TS lernen, die Tics für gewisse Zeiträume zu unterdrücken.

Dazu benötigt Ihr Schüler viel Konzentration, Selbstbeherrschung, Übung und Unterstützung von Ihnen ebenso wie von seinen Eltern. Beachten Sie hier unbedingt, dass es nicht jedem Kind möglich ist, die Tics vollkommen oder auch nur teilweise zu unterdrücken.

Lesen Sie in diesem Artikel, was Sie als Lehrer/in eines Schülers mit Tourette-Syndrom außerdem beachten sollten.

 

Inklusion in der Schule

 

Tipp 1 bei Schülern mit Tourette-Syndrom: Tics erkennen

Tic ist ein neurologischer Begriff. Es handelt sich dabei um weitestgehend unwillkürliche, plötzliche Bewegungen bzw. Hervorbringen von Lauten oder Geräuschen. Für Sie als Lehrkraft ist wichtig zu wissen, welche Arten von Tics Ihr Schüler zeigen kann. Es wird unterschieden zwischen motorischen und vokalen Tics.

 

  • Motorische Tics (Bewegungen)

– Gesicht: Grimassen, Blinzeln, Augenverdrehen, Kopfbewegungen

– Schultern und Arme: Verkrampfen der Finger, Schulterzucken, Schleudern der Arme

– Rumpf (seltener): Dribbeln mit den Füßen, Treten

Besondere motorische Tics:

-Touching: Berühren anderer Personen, meist in Form von Antippen

– Echopraxie: Nachahmen anderer Menschen

– Kopropraxie: obszöne Gesten und Handlungen

  • Vokale Tics (Geräusche)

– Laute und Geräusche: Husten, Räuspern, lautes Ein- und Ausatmen, Quieken usw.

– Wörter und Sätze

– Besondere vokale Tics:

– Palilalie: Wiederholung eigener Wörter und Sätze

– Echolalie: grundlose Wiederholung von Gesprochenem anderer

– Koprolalie: Ausstoß obszöner und sozial wenig anerkannter Worte und Sätze

 

Tipp 2 bei Schülern mit Tourette-Syndrom: Tics verstehen

Ihr Schüler zeigt seine Tics keinesfalls absichtlich. Mit großer Sicherheit verhält er sich nicht so, um Sie zu ärgern. Als seine Lehrkraft sollten Sie sich dies immer wieder vor Augen führen. Eine Ermahnung oder Strafe ist absolut unangemessen. Ohne Frage ist es eine hohe Belastung für Sie und natürlich auch für die Eltern des Schülers. Doch gewiss besteht hier die größte Belastung für den Schüler selbst. Versuchen Sie – möglichst gemeinsam mit dem Kind und seinen Eltern –, nach Interventionsmöglichkeiten zu suchen.

 

Tipp 3 bei Schülern mit Tourette-Syndrom: Auf Tics richtig reagieren

Tics gelten als unwillkürlich und kaum steuerbar. Allerdings gibt es grundsätzlich die Möglichkeit, Tics zu unterdrücken. Viele Menschen mit TS spüren kurz vor einem Tic eine Art Kribbeln, Druck oder Zwang. Es ist für manche möglich, den Tic zu unterdrücken bzw. zu „verschieben“ und in einem sozial geschützten Raum loszulassen. Deshalb kann eine Möglichkeit sein, dass das Kind bei Bedarf z. B. in den Gruppenraum nebenan gehen darf. Je nach Art und Ausprägung der Tics kann sich der Schüler dort entweder „austicken“ oder eben entspannen und zur Ruhe kommen.

 

Tipp 4 bei Schülern mit Tourette-Syndrom: Hinweise für Ihren Unterricht

Das Unterdrücken erfordert von dem Kind ein überaus hohes Maß an Konzentration. Sie kann wiederum fehlen, wenn er sich zusätzlich auf den Unterricht konzentrieren soll. In der Regel ist ein Kind mit TS kognitiv nicht beeinträchtigt. Seine Leistungsfähigkeit kann allerdings durch die Tics und die nötige Konzentration beim Umgang mit diesen stark beeinträchtigt sein. Durch etwaige Auszeiten kann es vielleicht auch nicht das gleiche Pensum an Aufgaben erledigen wie andere Schüler in der Klasse. Individualisieren Sie, indem Sie den Umfang anpassen und auch Aufgaben bieten, die für das Kind nicht so anstrengend sind.Wichtig ist auch, die Klasse zu informieren und mit ihr über angemessene Reaktionen zu reden. Die Kinder müssen wissen, dass sie sich nicht beleidigt fühlen sollten. Manche Schüler fühlen sich besonders durch verbale Tics gestört. Alle Kinder Ihrer Klasse sollten lernen, auf Tics möglichst nicht einzugehen und diese vor allem nicht persönlich zu nehmen.

 

Fazit: Einen Schüler mit Tourette-Syndrom zu unterrichten ist eine große Herausforderung für Sie. Versuchen Sie, sich immer wieder klarzumachen, dass Ihr Schüler Tics nicht absichtlich zeigt.


Das sagen Ihre Kollegen:


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Erziehungsziele aus dem Sport

20. Juli 2012

Gerade die im Sportunterricht erreichten Ziele wirken sich positiv auf das allgemeine Handeln Ihrer Schüler aus. Olympische Erziehung als didaktisches Erziehungsziel umfasst 3 Bereiche: Leistung, Fairness und gegenseitige... Mehr erfahren

Selbstbewusstsein fördern

6. August 2012

Lehrkräfte  beeinflussen in erheblichem Maße durch ihre Vermutungen über das Können und Wollen der Schüler deren tatsächliches Können, Wollen und Verhalten. Sie nehmen also Einfluss auf das Selbstbewusstein. Auch Sie... Mehr erfahren

Mobbing in inklusiven Klassen: Mit dem 6-Punkte-Plan reagieren Sie souverän

17. August 2017

Maja kommt nach der Pause immer als Letzte ins Zimmer. Sie wartet auf der Toilette, bis sie sicher sein kann, dass ein Lehrer in der Nähe ist. Viel zu groß ist ihre Angst, Mirjam und ihre Freunde allein anzutreffen. Haben Sie... So reagieren Sie auf Mobbing bei inklusiven Klassen

Nein, Danke




Verlag PROSchule

Service: +49 (0) 228-95 50 130
E-Mail: info@schulleiter.de

© 2019, VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft