In 5 Schritten ein erfolgreiches Lernentwicklungsgespräch führen

20.09.2017

„Ich bin froh, dass wir an unserer Schule das Lernentwicklungsgespräch als Ersatz für das Zwischenzeugnis eingeführt haben. Hier erfahren Kind und Eltern nicht nur, wo das Kind steht. Vielmehr reden wir miteinander darüber, wo und wie es sich verbessern kann.“ – Dieses Bekenntnis einer Grundschullehrkraft zum Lernentwicklungsgespräch drückt den Mehrwert dieses Gesprächsformats aus.

Damit der erwartete Gewinn des Lernentwicklungsgesprächs tatsächlich eintritt, thematisieren Sie in einer pädagogischen Konferenz, worauf es bei der Durchführung ankommt. Denn für den Lehrer ist die Situation ungewohnt: Bisher hat er mit den Eltern über das Kind gesprochen. Nun spricht er mit dem Kind und bezieht die Eltern dabei mit ein. Geben Sie die Anregung an Ihre Lehrer weiter in 5 Schritten vorzugehen.

1. Schritt: Gestalten Sie den Anfang

Noch mehr als im Gespräch mit Erwachsenen ist die Anfangssituation ausschlaggebend dafür, ob sich das Kind scheu zurückzieht, sich rechtfertigt oder ob es sich öffnet. Deshalb: Knüpfen Sie daran an, wie Sie das Lernentwicklungsgespräch im Unterricht vorbereitet haben, z. B.: „Wir haben kürzlich im Unterricht darüber gesprochen, wie wichtig es ist, immer wieder zurückzuschauen, was man schon gelernt hat. Genauso wichtig ist es, sich etwas vorzunehmen, was man noch besser können möchte und wie man das erreichen kann. Deshalb sitzen wir hier beieinander.“

2. Schritt: Geben Sie einen Überblick über den Ablauf

Neue Situationen verunsichern ein Kind. Doch je klarer es vor Augen hat, was auf es zukommt, umso selbstsicherer kann es handeln. Deshalb: Geben Sie einen Überblick über den Ablauf des Gesprächs: „Wir unterhalten uns über dein Lernen im Lesen und Schreiben und in der Mathematik. Dabei gehen wir in jedem Fach in 3 Schritten vor: Wir schauen uns an, was du schon kannst, dann klären wir, was du noch lernen musst, und am Ende überlegen wir, wie du das am besten machst. Zuerst bist immer du an der Reihe, danach kommen deine Eltern und ich.“

3. Schritt: Führen Sie das Gespräch über den Lernstand

Der Lernstand des Kindes und die Ziele sowie der Weg dorthin sind der Kern des Lernentwicklungsgesprächs. Deshalb: Beziehen Sie hierzu die schriftliche Selbsteinschätzung ein, die Sie im vorangegangenen Unterricht veranlasst haben, z. B. eine erstellte Lernlandkarte, in der mit den 3 Ampelfarben markiert ist, was das Kind schon kann, und was es noch gründlich üben muss: „Du weißt ja am besten, was du schon kannst. Das hast du dir aufgeschrieben.“ Thematisieren Sie danach die Bereiche, in denen es noch unsicher ist: „Wo meinst du denn, dass du noch besser werden kannst? – Schau dir dazu deine gelb markierten Felder an.“ Bestätigen und ergänzen Sie die Selbsteinschätzung des Kindes oder setzen Sie Ihre dagegen. Verhindern Sie, dass es im Beisein des Kindes zu einer ausufernden Diskussion mit den Eltern über die Schwächen des Kindes kommt: „Lassen Sie uns darüber in der nächsten Sprechstunde ausführlich sprechen.“

4. Schritt: Treffen Sie eine konkrete Zielvereinbarung

Die volle Wirkung entfaltet ein Lernentwicklungsgespräch durch den Blick in die Zukunft. Deshalb: Leiten Sie das Kind an, sich in jedem Fachbereich, der besprochen wird, ein Ziel zu setzen und eine oder 2 Maßnahmen zu überlegen, wie es diesem Ziel näher kommen kann, z. B. durch ein tägliches 10-minütiges Training das Kopfrechnen zu verbessern.

5. Schritt: Schließen Sie das Gespräch optimistisch ab

Schriftliche Vereinbarungen schaffen eine größere Verbindlichkeit. Deshalb: Formulieren Sie für jeden Fachbereich ein Ziel und die dazugehörigen Vorsätze des Kindes. Schließen Sie mit der Unterschrift aller Beteiligten und einem optimistischen Ausblick ab.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Wettbewerbe als Chance für die Schulentwicklung

21. Januar 2016

Wie gehen Sie mit den zahlreichen Wettbewerbsausschreibungen um, die auf Ihren Bildschirm oder auf Ihren Schreibtisch flattern? Drücken Sie sie dem Konrektor in die Hand? Legen Sie sie in das am nächsten liegende Lehrerfach, um... Schulentwicklung durch Wettbewerbe vorantreiben

Wiederholen – wirkungsvolles Unterrichtselement anstatt lästiges Übel

13. Oktober 2017

Kennen Sie die Klage Ihrer Lehrer über das siebartige Gedächtnis der Schüler? Obwohl das Bruchrechnen am Ende der 5. Klasse hervorragend „saß“, lässt es sich am Beginn der 6. Klasse nur noch fragmentarisch abrufen. Die... Wiederholen als wirkungsvolles Unterrichtselement nutzen

Die 2 Formen von Wut im Klassenzimmer – so lernen Sie, diese zu unterscheiden

2. Januar 2019

Theo kocht vor Wut. Sein Vorschlag bei der Gruppenarbeit wurde abgelehnt. Er springt auf und schnappt sich  Lillys Schultasche. Schneller, als seine Mitschüler gucken können, leert er den Ranzen kopfüber aus. Danach knallt... Inklusion: 2 verschiedene Formen von Wut erkennen




Verlag PROSchule

Service: +49 (0) 228-95 50 130
E-Mail: info@schulleiter.de

© 2019, VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft