Direkte Instruktion: So hilft die Methode Ihren Schülern mit Lernstörungen

05.12.2018

Maries schulische Leistungen in den Kernfächern sind insgesamt schwach, obwohl sie bereits die 4. Klasse wiederholt. Gerade in offenen Unterrichtsphasen fühlt sie sich überfordert. Sie weiß nicht, was sie tun soll, wenn sie vor einer Aufgabe sitzt. Bei einer diagnostischen Untersuchung stellte sich heraus, dass Marie eine Lernstörung hat.

Ihr Lehrer versucht daraufhin, mithilfe der direkten Instruktion Maries Lernverhalten anzuleiten und zu unterstützen. So konnte sie ihre Lernlücken schließen und Lernstrategien erlernen. Lesen Sie in diesem Artikel, wie Sie Ihren Schülern mit Lernstörungen durch die direkte Instruktion helfen können.

Bei offenen Unterrichtsformen haben Schüler mit Lernschwierigkeiten häufig große Probleme. Die Wissenslücken können zu groß sein. Oft fehlt auch Wissen zu strategischem Vorgehen, um erfolgreich eigenständig arbeiten zu können. Bei der direkten Instruktion lenken Sie als Lehrkraft das Lernen der Schüler, die diese Hilfe brauchen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei Ihr Modellverhalten: Ihre Schüler lernen direkt von Ihnen als Vorbild, wie man am besten vorgeht:

  1. Ziele setzen
  2. Stoff aufteilen
  3. Üben, bis man den Stoff beherrscht
  4. den Lernfortschritt überwachen und
  5. darauf reagieren, wenn sich kein Lernerfolg
    einstellt.

So haben auch Ihre Schüler mit Lernschwierigkeiten die
Chance, zunehmend selbstständiger zu arbeiten.

Diese Hintergründe sollten Sie kennen

Eine aktive Verarbeitung von neuer Information gelingt, wenn das benötigte Vorwissen beherrscht wird. Dafür müssen Ihre Schüler auf wirksame Verarbeitungsstrategien zurückgreifen können. Eine Lernstörung ist die Folge einer gestörten Informationsverarbeitung: Ihre Schüler wählen Informationen dabei häufig nicht nach der Bedeutsamkeit aus.

Durch diese unzureichende Nutzung der Infoverarbeitung
bleibt der gewünschte Lernerfolg aus und es entstehen Lernlücken.

Stellen Sie den Lernstand fest

Um Ihren Schülern mit Lernstörungen zu helfen, ist der 1.Schritt die Feststellung des Lernstands. Dies können Sie durch standardisierte Schulleistungstests, aber auch durch genaues Analysieren von Proben,Schulheften und Hausaufgaben erreichen.

Haben Sie dabei auch Strategiedefizite im Hinterkopf: Lassen
Sie Ihre Schüler eine Aufgabe lösen und dabei „laut denkend“ vorgehen – also
ihr Vorgehen verbalisieren und genau beschreiben. Dabei fällt ihnen am besten
auf, worin das Problem besteht.

Fördern Sie durch
explizite Modellierung

Bei der direkten Instruktion bereiten Sie den Lernstoff vor,indem Sie Ihre Schüler von überflüssigen Lernaufgaben entlasten, um zentrale Lernziele direkt anzusteuern. Stellen Sie eindeutige, klar strukturierte Lernaufgaben: Geben Sie Ihren Schülern Gewissheit über den Lerninhalt und das Lernziel. Veranschaulichen Sie den Lernstoff schrittweise.

Machen Sie Ihren Schülern ausgearbeitete Lösungsbeispiele
Schritt für Schritt modellhaft vor und verbalisieren Sie dies, um eine
effektive Strategie vorzugeben. Der Lerninhalt wird anschließend systematisch
(erst unter Anleitung und dann selbstständig) wiederholt und eingeprägt – so
lange, bis er sicher verfügbar ist.

Übergeben Sie dem
Schüler mehr und mehr Verantwortung

Sie nehmen sich dabei langsam zurück, verringern die
Anleitung nach und nach. Erhöhen Sie die Anforderungen: aber erst dann, wenn
eine Lernphase sicher bewältigt wird!

Geben Sie dabei rasches, ausdrückliches und aussagekräftiges
Feedback. Wichtig ist, dass das automatisierte Üben von Ihren Schülern
beherrscht wird, um Informationen langfristig im Gedächtnis abzuspeichern. Dies
ist vor allem wichtig bei Grundkenntnissen wie z. B. dem Einmaleins.

Vorteile der direkten
Instruktion zum Frontalunterricht

Die direkte Instruktion und der Frontalunterricht haben viele Aspekte gemeinsam, jedoch unterscheiden diese sich voneinander. Beim Frontalunterricht richten Sie sich an Ihre gesamte Klasse. Bei der direkten Instruktion unterrichten Sie eine homogene Kleingruppe, um einzelne Schüler intensiv zu fördern.

Sie richten sich genau an diese Schüler, die im offenen Unterricht noch nicht selbständig zurechtkommen. Dadurch fällt Ihnen keiner Ihrer Schüler durchs Raster. Schrittweise befähigen Sie alle zu mehr Eigenverantwortlichkeit.

Dadurch differenzieren und individualisieren Sie, was im Frontalunterricht meist nicht ausreichend stattfindet. Auch können Sie im Frontalunterricht Ihre Schüler nicht im gleichen Maß angeleitet üben lassen wie bei der direkten Instruktion. Denn Ihre Instruktion kann nicht so passgenau formuliert sein, dass alle Schüler damit arbeiten können.

Ein weiterer Vorteil ist das direkte Feedback zum Vorgehen,das Helfen durch Tipps und das Verstärken durch Lob. Sie sprechen besonders leistungsschwache Schüler damit direkter an, als wenn Sie sich im Frontalunterricht an die gesamte Klasse richten.

Fazit: Setzen Sie direkte Instruktion als Unterstützung ein

Üben Sie am Modell, bis Grundkenntnisse sicher zur Verfügung stehen. So schließen Sie bei Ihren Schülern Lernlücken. Trainieren Sie gleichzeitig Lernstrategien, um das kognitive System zu entlasten.


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